Stadtkino Grein

„Mit Blockbustern finanziere ich Programmkino“
Die Umrüstung seines Kinos auf Digitaltechnik kostete Horst Rohrstorfer eine Stange Geld. Er ist überzeugt: „Das rentiert sich!“   Von Carina Dieringer

Grein. Bis Jahresende werden die österreichischen Kinos zu 100 Prozent digitalisiert sein. Damit zählt Österreich zu den ersten Ländern Europas, die diese Umstellung vollziehen. Vor drei Wochen startete auch das Stadtkino Grein in das digitale Zeitalter. Die Mühlviertler Nachrichten sprachen aus diesem Anlass mit Kinobesitzer Horst Rohrstorfer.

 

Mühlviertler Nachrichten: Warum stellten Sie auf Digitaltechnik um?

Rohrstorfer: Seit zirka sechs Jahren war es nur mehr eine Frage der Zeit, wann ich auf Digitaltechnik umstelle. Am Anfang des Jahres hab ich mir dann gedacht „jetzt oder gar nicht“. Im März schloss ich die Verträge ab und vor drei Wochen hab ich mich von den knatternden 35-mm-Projektoren getrennt. Aber ich muss sagen, meine Nostalgie hält sich in Grenzen. Viele Kinobetreiber trauern der Zeit ja nach, aber ich hab jetzt mehr Möglichkeiten und kann auch 3D-Filme spielen.

 

Wie viel haben Sie investiert?

Die Digitalisierung meines Kinos hat rund 70.000 Euro gekostet. Einige Förderungen hab ich vom Bund und vom Land Oberösterreich erhalten, 40.000 Euro musste ich aber aus eigener Tasche zahlen. Ich habe dafür einen Kredit aufgenommen, den ich voraussichtlich in etwa zehn Jahren abbezahlt habe. Die Digitalisierung ist ja letztendlich ein lukratives Geschäft: Da ich jetzt 3D-Filme anbiete, kann ich die Eintrittspreise ein bisschen erhöhen, bin aber trotzdem noch billiger als die großen Kinos. Wäre ich schon früher auf Digitaltechnik umgestiegen, hätte es vermutlich beinahe das Doppelte gekostet. Man muss jedoch auch sagen, dass mit der Digitalisierung die laufenden Kosten, wie der Stromverbrauch, steigen.

 

Wie wählen Sie Ihre Kinofilme aus?

Anhand von Pressekritiken kann ich die Filme schon mal einigermaßen aussortieren. Es ist eine Sache des Gespürs, bei einer netten französischen Komödie oder einem Film von Michael Haneke überlege ich zum Beispiel nicht lange. Ich bin seit zehn Jahren Kinobesitzer und kenne die Erwartungen meines Publikums mittlerweile sehr gut. Zwei Drittel der Kinobesucher sind Frauen, die über 35 Jahre alt sind. Die erwarten, auf eine intelligente Art und Weise unterhalten zu werden, und das biete ich ihnen so gut es geht.

 

Sie kennen Ihre Kinofilme mittlerweile wahrscheinlich schon in- und auswendig?

Nein gar nicht. Das ist der Fluch der Kinobetreiber. Ich sehe immer nur ein paar kurze Ausschnitte zwischen dem Putzen der 3D-Brillen und dem Popcorn machen. Wenn ich die Filme ein paar Monate später zu Hause auf DVD sehe, bin ich immer ganz überrascht, weil ich die Filme eigentlich gar nicht kenne. Privat schaue ich am liebsten Schwarzweißfilme.

 

Wie kann das Kino in Grein gegen die große Konkurrenz bestehen?

Ich hab ein treues Stammpublikum. Im Bezirk Perg gibt es nur zwei Kinos. Die nächsten großen Kinos sind in Amstetten und Linz, da fährt man weiter. Mein Kino ist in der Umgebung das einzige Programmkino, das mögen viele Menschen.

 

Wie sieht die Zukunft aus?

Das Kino muss dem Fernsehen immer einen Schritt voraus sein. Das ist uns mit der Digitalisierung definitiv gelungen. Es hat ein ganz besonderes Flair, wenn man sich einen Film im Kino anschaut, und das schätzen viele Menschen. Das Kino ist die Einfangspforte zur Kultur. Kleine Landkinos wie Grein sind wichtige kulturelle Nahversorger. Ein Qualitätssiegel meines Kinos ist, dass wir gemeinsam mit den Lichtspielen Lenzing und der Localbühne Freistadt Mitglied bei den „Europa Cinemas“ sind. Durch Familienfilme wie „Ice Age“ oder „Madagascar“, die guten Gewinn bringen, kann ich auch das Programmkino finanzieren. Außerdem gibt mir mein Stammpublikum Sicherheit und ich kann zuversichtlich in die Zukunft schauen.

Artikel von Paul Dietl, Stephanshart vom 22.7.2012 

 

Kuturgut Kino in Grein

 

Eines muss man - auch als Niederösterreicher bzw. Amstettner - neidlos anerkennen: Grein ist anders! Denn in diesem kleinen Städtchen an der Donau "leistet" man (sich) beträchtliches an Kultur und Kulturgütern: unter anderem eine historische Perle von einem Stadttheater (inklusive Theatergruppe), eine mächtige Burg mit grandiosen Schauräumen und Aufführungen, alterwürdige Lokale und sogar Galerien, eine "Strandpromendade", und dann noch: dieses famose Programmkino, günstig gelegen zwischen dem alterwürdigen Cafe Blumensträußl und dem weithin bekannten Cafe Schörgi. 

 

Ein Kino wie man es aus früher in Erinnerung hat: mit einem großen, hohen Saal, der einem Theater gleicht, jeder Menge Fußfreiheit, rotem Plüsch, Vorhängen, und - das wichtigste: mit einem sorgfältig ausgewählten Filmprogramm von ausnahmslos hoher Qualität. (Und für den Besucher sehr angenehm: selten überfüllt!) 

 

Weiters gibt bietet das Kino persönliche Bereatung und Information durch den Geschäftsführer Horst Rohrstorfer, einem überaus freundlichen und engagierten Herrn, der auch mal mit dem Filmstart ein paar Minuten wartet, wenn er weiss, dass man etwas knapp dran ist.

 

Klingt fast wie "im Film", ist aber (noch) Wirklichkeit in Grein 

 

Gratulation den Stadtvätern und Betreibern. Das macht Grein einfach anders! Und so fahren wir gern und über die Donaubrücke zu den Oberösterreichern.